Dienstag, 4. Oktober 2011

Autokraneinsätze auf Baustellen

Dieser Beitrag soll die wichtigsten Schritte eines Autokraneinsatzes beschreiben, dabei möchte ich vor allem auf die für die Sicherheit relevanten Themen eingehen. Einige Punkte obliegen der Verantwortung des Kranunternehmens, andere wiederum fallen in den Zuständigkeitsbereich des entsprechenden Bauleiters vor Ort. Allerdings sollte der Bauleiter vor Ort grundsätzlich auf die Sicherheit und Unversehrtheit seiner Arbeitskräfte und auch des Objektes bedacht sein. Dies betrifft vor allem grundlegende und offensichtliche Sicherheitsvorschriften, die bei Nichteinhaltung schnell zu fahrlässigen Gefährdungen oder gar Verletzungen führen können. In meinem Beitrag möchte ich auf grundlegende und allgemein geltende Vorschriften für Kraneinsätze eingehen und diese als kleinen Leitfaden bzw. Checkliste zusammenfassen.

Montagearbeiten mit Unterstützung von Autokranen

Eine umfassende Planung sowohl bei der Herstellung des Fertigteils im Bezug auf Größe, Gewicht, Anschlagpunkte, Symmetrie und Schwerpunkt als auch bei der Vorbereitung der Baustelle im Bezug auf Zufahrtswege, Kranstandort bezüglich der Aufnahme- und Montageposition können im Vorfeld viele Schwierigkeiten aber auch eventuelle Mehrkosten eliminieren. Da ein ideales Zusammenspiel aller Komponenten reell sehr selten vorkommt, ist es um so wichtiger für einen geplanten Kraneinsatz die tatsächlichen Faktoren möglichst exakt zu ermitteln. Ziel ist es für jeden einzelnen Montageeinsatz vorab den geeigneten Autokran zu bestellen bzw. einzuplanen. Gewicht, Größe, Form und Anschlagpunkte eines Fertigteiles können unter Umständen nicht immer optimal beeinflusst werden, daher muss durch genaue Angaben ein möglichst optimaler Kran gefunden werden, da eine Überdimensionierung generell eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung darstellt.
Wichtige Punkte wären hier z.B. der Abstand der Anschlagpunkte, da sich aus diesem die Länge der Anschlagmittel ergibt, der Abstand des Aufnahme- bzw. Montagepunktes der Fertigteile zum Standort des Kranes und die zu überwindenden Höhenunterschiede. Diese Faktoren beeinflussen direkt die nötige Länge des Auslegers, der wiederum eine entscheidende Rolle für die Dimensionierung des erforderlichen Krans spielt. Im Kapitel "Höchstzulässige Belastungen" ist ein Datenblatt eines 300-to-Krans abgebildet, dieses verdeutlicht den direkten Zusammenhang der Auslegerstellung mit der max. möglichen Belastung. So können große, evtl. vermeidbare Distanzen auch für kleine Lasten erhebliche Kosten durch große und schwere Kranfahrzeuge verursachen.

Der Standort eines Autokranes kann natürlich nicht einfach frei gewählt werden, auch dieser richtet sich nach vielen Faktoren, die im Bezug auf Sicherheit vorrangig sind. Zu bedenken wären z.B. ein befestigter Standort, der die eingeleiteten Lasten aufnehmen kann, uneingeschränkte Bewegungsfreiheit (Quetschgefahr für Personal bei Abstand unter 0,5 m zu Hindernissen), genügender Sicherheitsabstand zu elektrischen Leitungen und ausreichend befestigte Zufahrtswege (dazu Kapitel "Wahl des Kranstandortes"). Aus diesem Grund kommt, im Bezug auf Kostenersparnis, dem reibungslosen Ablauf der Montage und Anlieferung ein beträchtliches Maß an Bedeutung zu. Durch geeignete Routenplanung, evtl. Absperrungen des öffentlichen Verkehrs (mit vorheriger Genehmigung), Zeitplan für die einzelnen Anlieferungen und Wende- bzw. Durchfahrtsmöglichkeiten der Schwertransporte können die Montagekosten ebenfalls positiv beeinflusst werden.

Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass der Autokran auf einem möglichst ebenen und befestigten Untergrund positioniert wird. Werden die Lasteinleitungsflächen vergrößert, so muss darauf geachtet werden, dass dies mit geeigneten Hölzern bzw. bei schweren Kranen mit eigens dafür vorgesehenen Stahlplatten oder Stahlkonstruktionen geschieht.

Neben einer sicheren Standfläche ist auf die ausreichende Bewegungsfreiheit zu achten. Befinden sich bauliche Einschränkungen oder sonstige Hindernisse im Schwenkbereich des Kranes, so müssen diese bei einem Abstand von weniger als 0,5 m abgesperrt werden (Quetschgefahr!).
Ausreichender Sicherheitsabstand muss ebenfalls von Baugruben und Gräben gehalten werden. Bei einem Gesamtgewicht von mehr als 12 t des Fahrzeuges muss der Sicherheitsabstand von mindestens 2,0 m eingehalten werden. Ergänzende Regelungen sind im folgenden Bild dargestellt.

Eine weitere Gefahrenquelle stellen Hochspannungsleitungen im Schwenkbereich des Kranes dar. Dass es bei Berührung einer Freileitung zu einem äußerst gefährlichem Stromfluss kommt muss nicht näher erläutert werden, allerdings wird von elektrotechnischen Laien meist unterschätzt, dass schon ab einer Spannung von 1000 V ein direkter Stromüberschlag durch die Luft möglich ist. Hohe Luftfeuchtigkeit und schlechte Witterung sowie hohe Spannungen begünstigen die Bildung eines solchen Lichtbogens. Genaue, nach Spannungen abgestufte Sicherheitsabstände können fogenden Tafel entnommen werden, an dieser Stelle sei erwähnt, dass bei unbekannter Netzspannung in jedem Fall ein Sicherheitsabstand von 5,0 m einzuhalten ist!

Trotz aller Vorsicht kann es dennoch zur Berührung von Freileitungen kommen, in diesen Fällen ist es besonders wichtig grundsätzliche Regeln einzuhalten. Als erstes soll durch den Kranführer versucht werden, das Gerät aus dem Gefahrenbereich zu bringen (herausfahren, herausschwenken oder Ausleger verstellen). Ist dies nicht möglich so darf der Kranführer auf keinen Fall die Kabine seines Fahrzeuges verlassen, da diese wie ein Faraday´scher Käfig wirkt und ihn vor tödlicher Stromeinwirkung schützt. Außenstehende müssen aufgefordert werden stehen zu bleiben, da auch der Boden um den Kran unter Spannung steht. Die Spannung nimmt mit zunehmender Entfernung zum Kran ab, ein sogenannter Spannungstrichter bildet sich aus. Diese Spannungsverteilung führt dazu, dass Schritte vom oder zum Kran verschiedene Spannungspotentiale überbrücken können (Schrittspannung), die ebenfalls lebensgefährlichen Stromfluss durch den Körper bewirken können. Das zuständige Energieversorgungsunternehmen muss umgehend informiert werden, um die betroffenen Leitungen frei zu schalten.
Hinweis: In der Nähe von Sendeanlagen (z.B. Rundfunksender) kann es ebenfalls zu gefährlichen elektro-statischen Aufladungen von Lasten und Kranen kommen. Wird eine leitende Verbindung zur Erde hergestellt, z.B. durch Montagepersonal kann dies schwerwiegende Folgen haben. Daher sollten Krane bei Arbeiten in der Nähe von Sendeanlagen generell geerdet werden (am Kranoberwagen oder direkt am Ausleger).






 

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